Donnerstag, 30. März 2017

Keine Zeit...

Eigentlich ist es traurig – da hat man zwei Monate Semesterferien und bekommt immer nachgesagt, man würde als Student eh nix schaffen und hat trotzdem keine Zeit. Klingt komisch, ist aber so. Neues Computerspiel? Keine Minute gespielt. Geige? Seit Ewigkeiten nicht mehr angerührt. Halbfertiger Schal? Mal schnell eine Masche vorm Schlafengehen gestrickt. Immer wartet Anderes: die Masterarbeit, die unbedingt fertig werden muss oder das Fitnessstudio, weil ich in meinem neuen Kleid ja auch atmen will. Oder Zeitung lesen. Oder Vokabeln lernen. Irgendwas Wichtigeres findet man immer.
Aber ist wichtig immer wichtig?
Heute hat meine Oma gesagt, dass nach Ende meines Studiums im nächsten Jahr „der Ernst des Lebens“ anfange. Dem kann ich aber nicht zustimmen. Ja, viele von uns müssen sich noch keine Gedanken um Rechnungen, bezahlbare Wohnungen und gute Jobs machen, weil wir auf die Rückenstärkung unserer Eltern zählen können. Aber das heißt nicht, dass wir in den Tag hineinleben können und keine Sorgen haben. Es sind halt nur nicht die gleichen wie die unserer (Groß-)Eltern.
Ist mein Englisch gut genug? Mache ich genug Fortschritte? Kann ich unter all meinen Mitstudierenden hervorstechen und später gute Arbeit bekommen? Habe ich mich lange und gut genug mit meinem Französisch auseinandergesetzt? Wobei sich diese Frage eigentlich immer von selbst beantwortet, wenn man mal wieder auf die Idee kommt, mit einem französischen Text zu üben...
Das sind die Fragen, die sich viele von uns stellen – auch wenn es dafür gar keinen Grund gibt. Doch der heute herrschende Leistungsdruck in einer Gesellschaft, in der Arbeit und Wohlstand mehr zählen als Glück und Zufriedenheit, scheint leider oft keine andere Denkweise zuzulassen.
Wie schade. Denn sind es nicht gerade die Dinge, die uns Spaß machen, die uns immer wieder aufs Neue antreiben? Sind es nicht unsere vielfältigen Hobbys, die uns zu dem Menschen machen, der wir sind? Ist es nicht dieser wichtige Ausgleich, der uns immer wieder die Liebe zum Beruf wiederbringt?
Es ist schwer, aber vielleicht sollten wir uns immer mal wieder vor Augen führen, was wirklich wichtig ist im Leben – ja, Arbeit und Geld gehören sicherlich dazu, aber auch unsere Familien und Freunde, Dinge, die uns glücklich machen und etwas bedeuten.
Ich muss da eigentlich ganz still sein, denn wenn es um unnötiges Gedankenmachen geht, bin ich immer ganz vorne mit dabei, aber manchmal muss man sich eben zu seinem Glück zwingen.
Deshalb lasse ich meine Masterarbeit für heute Masterarbeit sein, schaue mir die neueste Folge Supernatural an und schreibe endlich mal wieder etwas für meinen Blog – und mache mich dann frisch und frohen Mutes wieder ans Werk.
Denn Wichtiges hab ich auch morgen noch genug zu tun.

eure Laura

Sonntag, 1. Januar 2017

Loslassen

Und wieder ist ein Jahr vergangen - 2016 kam und ging, war vollgepackt mit neuen Erlebnissen, Erfahrungen und einer Menge Überraschungen.

Es war ein Jahr, in dem ich vieles gelernt habe:
dass man es ab und zu auch ruhiger angehen lassen kann und nicht auf Hochtouren durch das eigene Leben preschen muss;
dass man nicht auf andere, sondern nur auf sich selbst hören und sich nicht verbiegen sollte, nur weil man etwas übergeschnappt verrückt eigen ist;
dass man seinen Blog auch ruhig mal ein halbes Jahr ruhen lassen kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben;
dass man manchmal auch loslassen muss.

Gerade diesen letzten Punkt sollten wir uns, wie ich finde, viel öfter ins Gedächtnis rufen. Und welcher Zeitpunkt bietet sich dafür besser an als der Tag, an dem wir uns sowieso alle möglichen Dinge vornehmen, die im Laufe des Jahres bzw. des Januars eh schon wieder in Vergessenheit geraten?
Wenn wir schon unsere guten Vorsätze loslassen, können wir gleich auch noch all das ziehen lassen, was uns zurückhält und traurig macht.

Egal ob es Kinderträume sind, die uns vor einigen Jahren noch erstrebenswert vorkamen, heute allerdings nicht mehr. Oder Ziele, die wir verfolgen und dadurch die schönen Seiten des Lebens aus den Augen verlieren. Schwärmereien, die uns noch nie bereichert, sondern nur Herzschmerz bereitet haben. Oder Erwartungen und Meinungen anderer, die so gar nicht unserem Selbstbild entsprechen. Freunde, die erst zu Bekannten und dann nur noch zu Namen in der Kontaktliste wurden. Oder ein alter Groll, an dessen Ursprung wir uns schon gar nicht mehr erinnern können.

Denn so kann uns das neue Jahr die Chance geben, gelassener zu sein. Glücklicher, weil wir uns nicht mehr mit Vergangenem beladen. Weil wir uns selbst den Raum geben, uns zu entwickeln und zu verändern. Weil wir wachsen.

Mit diesem knappen, noch nie dagewesenen, originellen und innovativen Gedanken für den Start ins neue Jahr gelobe ich Besserung was das regelmäßige Bloggen angeht und wünsche euch nach guten sechs Monaten des Stillschweigens einen wunderbaren ersten Januar und ein tolles Jahr 2017.
eure Laura

Mittwoch, 27. Juli 2016

Ein zauberhaftes Wochenende

Als eingefleischter Harry-Potter-Fan mochte ich Quidditch schon immer gerne.
Damit war, als ich zufällig erfahren habe, dass es den Sport in unserer Welt auch gibt und dieses Jahre eine Weltmeisterschaft in Frankfurt stattfinden solle, sofort klar: Ich Muss Dabei Sein.


Daher ging es letzten Freitag nach der Uni ab zum Bahnhof und in den Zug Richtung Frankfurt am Main.
Nach einer sehr interessanten Zugfahrt neben einer Dame, die während der gesamten Reise von Karlsruhe nach Frankfurt versucht hat, ihr Online-Ticket abzurufen, es aber leider nicht gerafft hat, ging es dann ab ins Taxi zum Hotel und in die Heia. Welches Sportereignis beginnt auch schon um halb neun morgens!? 

Voller Spannung sahen wir uns also letzten Samstag um halb neun Uhr morgens das Eröffnungsspiel Deutschland-Norwegen an. Und lernten dabei gleich noch die Regeln:

Die sechs Feldspieler laufen mit einem Stock zwischen die Beine geklemmt über das Spielfeld und versuchen den Quaffel durch einen der drei Torringe der Gegner zu werfen. Dabei darf getackled, geschubst und gerauft werden. Verliert einer der Spieler dabei seinen Stock oder wird er von einem Klatscher getroffen, muss er zu seinen eigenen Torringen laufen und einen davon berühren, bevor er weiterspielen darf.



Die Mannschaften sind gemischt, das heißt bei Zusammenstößen zwischen oftmals riesigen Männern mit zumeist kleineren Frauen kann es schonmal zu Knieverletzungen oder blutenden Nasen kommen.
Das Gerenne und Gewerfe geht dann 16 Minuten, anschließend kommt der Schnatz aufs Feld. Das heißt in dem Fall ein Mensch (wir haben alles gesehen: von kleinen flinken Weibchen bis hin zu wahren Bären von Männern), ganz in gelb gekleidet, mit einem kleinen Ball in einem Säckchen, das mit Klettverschluss hinten an der Hose befestigt ist.
Ich kann euch sagen, das war ein Anblick!
Auf jeden Fall müssen dann die beiden Sucher, die eine Minute nach dem Schnatz aufs Feld dürfen, versuchen dem Schnatz das Säckchen von der Hose zu reißen, um 30 Punkte für ihre Mannschaft zu gewinnen und das Spiel zu beenden.


Es war von Beginn an ein mitreißendes Spektakel; vom kriegerisch anmutenden Spielbeginn, wo beide Mannschaften auf Kommando von ihren Torringen in die Spielfeldmitte stürmen um den Quaffel und die Klatscher zu erobern, über schmerzhaft aussehende Zusammenstöße verschiedener Spieler bis hin zum anfangs gewöhnungsbedürftigen Versuch der Sucher, dem Schnatz an die Hose zu gehen.

Deutschland hat sich zwar leider nicht so gut geschlagen, wir sind 11. von 21 Mannschaften geworden, aber missen möchte ich mein Wochenende bei der Quidditch-WM in Frankfurt trotzdem nicht: Wir haben mitereißende Spiele gesehen, saßen mitten im Australier-Fanblock und wurden plötzlich zu Aussie-Fans (bei den Massen an Menschen mit solchem Anfeuerungs-Elan hätten wir uns auch nichts anderes getraut) und haben gelernt, nie der Wettervorhersage zu trauen und immer Sonnencreme einzupacken.


Ich kann also jedem Quidditch-Fan nur empfehlen, die nächste WM (wann und wo auch immer sie stattfinden mag) nicht zu verpassen und mitzufiebern, wenn Australien versucht, seinen Titel zu verteidigen.
eure Laura

Sonntag, 3. Juli 2016

Fußball, ich und viele Fragen

Ich gebe es zu: Ich bin einer dieser Menschen, die nur Fußball schauen, wenn gerade EM oder WM ist.
Und selbst dann nur die Deutschlandspiele.
Aber zu jeder EM und WM werde ich dann für kurze Zeit zum brennenden Deutschland-Fan, schaue mit meinem Papa jedes Spiel und weiß sogar die Namen unseres gesamten Teams auswendig. Nicht nur die der Hübschen.
Doch mit dem Fußballschauen kommen die Fragen.
Und da muss ich gleich noch etwas zugeben: Es ist nicht leicht, mich als Mitseher zu haben.
Die Grundlagen wie Wer wäscht eigentlich immer die Trikots der Spieler? oder Wer bestimmt, welche Farbe die Kits der Schiedsrichter haben müssen? oder Warum haben die Torwarts immer was anderes an als die Spieler? sind mittlerweile abgedeckt, aber trotzdem bleibt noch eine Menge unbeantwortet.

Und da hat sich das gestrige Spiel Deutschland-Italien doch bestens angeboten, meine zum Leidwesen meines Vaters zuweilen laut gedachten Gedanken für die Ewigkeit festzuhalten:

0': Und warum haben wir jetzt Anstoß?
1': Wie kann denn der Kommentator von so weit weg sehen, wer wer ist?
3': Spielt denn Khedira bei Italien?
3': Warum sollten die denn auf Özil oder Kroos spielen? Sind die was Besonderes?
5': Es gibt blonde Italiener!?
5': Was hat denn der für Probleme? Warum schießt nicht der, der den Ball hat?
6': Vielleicht erkennen die Kommentatoren die ja auch an den Schuhen...?
7': Was war das?
8': Die sind alle immer viel schicker als der Löw...
9': Ecke?
9': Gibt's da verschiedene Auswahlkriterien für die Ecken?
10': Der Ball eiert so!
12': Ja aber das rutscht doch dann auch!?
13': Warum hat der keine Radler drunter? Hat der ne Radler drunter?
15': Gemein, dass immer nur die gleichen spielen dürfen.
15': Als könnte da irgendwer am Neuer vorbei!
16': Warum muss er denn jetzt seine Kapitänschaft abgeben?
17': Warum passen dem seine Schuhe nicht zusammen?
17': So 'ne Pfeife!
18': Kriegen die Kommentatoren vorher beigebracht wie man die Namen der Spieler ausspricht?
20': Was war denn das für ein trauriger Versuch?
20': Hat der jetzt den Ball verloren oder was?
21': Was war denn das!?
21': Warum wird das denn jetzt da eingeblendet?
22': Und warum pfeifen die jetzt wieder?
22': Der regt sich aber ganz schön auf...
23': Ich dachte die Karten werden alle aufgehoben?
23': Er hat's versucht...
23': Kann der nicht blutend weitermachen? Warum denn nicht?
24': Ich versteh' nicht, dass die da nicht 'ne Pause machen!
25': Was war das denn!?
25': Der Schiedsrichter hat hier gleich die Schnauze voll!
25': Wo ist der her?
27': Was war daaaaaas?
27': Gilt das jetzt nicht?
27': Och nööööö

28': Was fuchtelt der Schiri denn da rum?
28': Warum haben wir denn jetzt kein Attempt on Target?
29': Was hat der jetzt für Probleme?
29': Können die mal ein bisschen fair spielen?
29': Was heißt denn dieser Vorteil?
30': GEWINKT
30': Würde es denn was am Abseits ändern, wenn die Deutschen den Ball gar nicht kriegen würden?
31': Wer jetzt?
32': Was war denn das?
32': Ich finde es unpraktisch, dass der Balken oben die gleiche Farbe hat wie die Trikotanzeige von Italien.
33': Wer brüllt denn da jetzt nach vorne?
34': Ist dem langweilig oder was?
34': Erdnussflips?
36': Warum passen denn seine Handschuhe nicht zusammen?
37': Kriegen die die Grasflecken überhaupt wieder raus?
37': Kriegen die von den Shorts auch für jedes Spiel neue?
39': Was war denn das?
40': Warum darf der italienische Trainer aus seinem Kästchen raus?
41': Der hat irgendwie ein Gesicht wie ein alter Mann...
43': Äh. 'tschuldigung?
44': Warum hatte der Boateng die Hände hinter'm Rücken?
44': Wer pfeift da schon wieder?
45'+1': Muss der die Minute jetzt ausspielen lassen?
46': Warum hat Italien keine Sterne auf den Trikots?
46': Was war denn das?
47': Wer soll genial sein?
48': Die können echt sau weit schießen.
50': Darf der den Fuß so weit hochheben?
53': Warum pustet der die Backen immer so auf wenn er wirft?
54': Meh
56': Was hat der denn da tätowiert?
57': Was ist denn eine A-11?
57': Ist Löw jetzt auch Italiener oder was?
58': Hat der eben seinen Ball vergessen?
59': Ist das 'ne Palme?
62': Sicher, dass die den Pellè richtig aussprechen?
63': Was war denn da jetzt?
65': Sag' bloß, der Özil hat das Tor geschossen!?
66': Warum müssen die jetzt aufmachen?
69': Der Schiedsrichter muss aber auch ganz genau wissen, wann er wo rumläuft!
72': Zählen die Wechsel jetzt in die drei Wechsel mit rein?
72': Kriegen die Provision pro Tor?
74': Warum ist der traurig?
75': Der schwitzt.
76': Darf der Tormann den Ball nur im kleinen Kästchen in die Hand nehmen oder auch im großen?
76': Und was soll das Kreislein?
78': Meeeeeeh
80': Wo steht denn der Neuer!?
81': Warum rennt der Schiri da jetzt wieder so rum?
83': Ist die Verlängerung immer gleich lang?
85': Können die den Elfmeter denn nachträglich noch wegnehmen?
86': Müssen die 2x15 min Verlängerung machen oder können die nach 1x schon aufhören?
88': Die wer? 
88': Wer pfeift da jetzt schon wieder?
89': Was rufen die jetzt?
90': Was war denn das?
90': Was hat der jetzt für Probleme?
90'+1': Sind die Durchsagen da alle auf Englisch? Oder auf Französisch?
90'+2': Wer hat die 21 und warum macht er nix?
P: Sind das Donuts?
91': Wer steht denn jetzt wo?
97': Wer brüllt denn da geh vor, geh vor?
99': Was hat der denn für hässliche Schuhe an?
103': Ich könnte jetzt schon im Bett liegen...
106': Haben die jetzt die Seiten nochmal gewechselt?
107': Meh
107': Wer wechselt denn da jetzt noch?
108': Aber nur weil man klein ist ist man doch nicht gleich beweglicher?
115': Warum heult der denn jetzt schon?
116': Warum ist der umgefallen?
119': Niemand hat Interesse an einem Elfmeterschießen!
120': Was hat der denn für Probleme?
P: Wie viele schießen da immer Elfmeter?
P: Was?

P: Warum ist es wichtig auf welches Tor die schießen?
E2: Das macht mich super nervös wie Neuer da immer rumhüpft!
E3: Kann der Neuer mal bitte was halten!?
E4: Heult der jetzt?
E5: WAS SOLL DAS JETZT
Gott sei Dank!

Aufgeschrieben sieht das ja aus wie eine Menge. Aber zu meiner Verteidigung könnte ich mir einreden, dass das Spiel sich ja auch ziemlich hinzog und sich so alles ganz gut verteilt hat...
Und bei Filmen rede ich ja auch immer rein.
Aber ich finde, das gehört auch ein bisschen zum Fußballschauen: mitfiebern, gespannt sein, mit dem Kommentator diskutieren. Was meint ihr?
Damit freue ich mich schon auf das Halbfinale mit unserer Elf und hoffe, dass sich die drängendsten Fragen für mich jetzt erstmal beantwortet haben.



eure Laura 

Donnerstag, 26. Mai 2016

Mein Gastpost bei "You Can Girl!"

Hallo ihr Lieben,

Die wunderbaren Mädels von You Can Girl! haben mich gebeten, einen Gastbeitrag für ihren Blog zu schreiben. Juhu! 

You Can Girl! ist ein Gemeinschaftsblog von Frauen für Frauen, auf dem ihr Ratgeber zu den verschiedensten Themen findet, die die Frau beschäftigen (Ernährung, Autos, Männer, und und und) aber auch Buchtipps oder Filmempfehlungen und - ganz frisch - die Erklärung, warum Tanzen glücklich macht. Zumindest mich.

Lest also hier meinen Beitrag auf You Can Girl! und stöbert noch ein bisschen durch die Seiten dieses wunderbaren Blogs!

Das heißt aber nicht, dass ihr nicht auch hier, unter diesem Post, eure Gedanken zu meiner neuesten Schreiberei loswerden könnt ;)

Bis zum nächsten Mal,
eure Laura

EDIT 07/2017: mittlerweile ist der Blog You Can Girl! wohl nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Deshalb findet ihr meinen Post nochmal hier, in meinem Blog.

Sonntag, 24. April 2016

Was macht eigentlich ein Dolmetscher?

Diese Frage wurde mir nun seit Beginn meines Masterstudiums schon so oft gestellt, dass ich sie hier gerne ein für alle mal beantworten möchte.

1. Ein Dolmetscher ist kein Übersetzer.
Übersetzen und Dolmetschen sind miteinander verwandte Tätigkeiten, das stimmt schon. Deshalb studieren viele Menschen -wie ich- erst Übersetzen und danach Dolmetschen. Doch miteinander gleichsetzen darf man die beiden nicht. Und bitte erst recht nicht in Gegenwart eines Übersetzers/Dolmetschers.
Grundsätzlich gilt: ein Übersetzer kann seine Werke im Nachhinein immer wieder verbessern, ein Dolmetscher nicht. Das heißt im Normalfall, dass ein Übersetzer, mit Laptop und Wörterbuch bewaffnet, schriftlich verfasste Texte aus einer Sprache in eine andere Sprache überträgt. Das können nun alle möglichen Texte sein: Bedienungsanleitungen, Artikel aus Reiseführern, Verträge, Bücher, Gedichte.
Übersetzer sind aber zum Beispiel auch verantwortlich für das Schreiben von Untertiteln.
Bei all diesen Texten kann ein Übersetzer seine Übersetzung schreiben, korrigieren, lesen, verändern.
Dolmetscher, auf der anderen Seite, haben einen Versuch: sie arbeiten mit gesprochener Sprache.
Sie hören sich eine Rede in einer Sprache an und verdolmetschen diese dann in eine andere Sprache.

2. Es gibt mehrere Arten von Dolmetschen.
Dolmetschen ist nicht nur das, was man in großen Fernsehsendungen wie Wetten, dass... eventuell schonmal gehört hat.
Beim Simultandolmetschen hört der Dolmetscher einen Redebeitrag, im Idealfall über Kopfhörer, und überträgt ihn fast gleichzeitig mit einer im Idealfall kurzen Décalage (= einer Verzögerung von ein paar Sekunden) in eine andere Sprache.
Dieser Verdolmetschung können die "Bedürftigen" dann wiederum über Kopfhörer im Moment des Geschehens zuhören. Große Denkpausen und Blackouts sind hierbei eher suboptimal.
Konsekutiv werden oftmals kleinere Redebeiträge oder Tischreden bei Anlässen ohne großartige Technik gedolmetscht. Hierbei hört der Dolmetscher wieder eine Rede und notiert sie in der sogenannten Notizentechnik mit, sodass er nach einigen Minuten, wenn der Redner fertig ist, die komplette Rede am Stück in einer anderen Sprache wiedergeben kann.
Hierbei sind lange Überlegungen, wie man erwas denn notieren soll, oder Mitschreiben in Krakelschrift hinderlich, da sie für unangenehme Kunstpausen mitten im Dolmetschen sorgen.
Diese beiden Arten sind die wohl gebräuchlichsten des Dolmetschens, wobei es noch andere Arten wie Flüsterdolmetschen oder Community Interpreting gibt.

3. Ja, Simultandolmetschen ist anstrengend.
In so einer Dolmetschkabine mag es ganz ruhig aussehen, aber im Kopf eines Dolmetschers geht es dafür umso turbulenter zu: mit einem Ohr hört er sich an, was er zu verdolmetschen hat, dann versteht und überträgt er den Inhalt im Geiste und gibt ihn in der Zielsprache wieder. Was er da wiedergibt, hört er sich mit dem anderen Ohr an, damit kein Gemurks beim Zuhörer ankommt. Währenddessen hört er die ganze Zeit weiter zu, damit ihm nichts entgeht.
Dazu kommen Tempo und Aussprache des Redners, Fachbegriffe, mit denen mann so nicht gerechnet hat und die man eh noch nie vorher gehört hat und - Gott bewahre - Zitate, Redewendungen und Wortspiele. Am besten eine Stelle aus dem Alten Testament.


4. Konsekutivdolmetschen ist nicht nur Mitschreiben.
Erinnert euch kurz daran wie es war, in der Schule irgendwelche Merksätze etc. mitschreiben zu wollen, die ein Lehrer diktiert hat und diese Frage beantwortet sich quasi von allein.
Mitschreiben können daher beim Notieren nur sehr wenige - ich kann es nicht. Doch nicht verzagen, es gibt eine Menge lustiger Bildchen und Symbole, die Dolmetschstudenten lernen oder sich ausdenken, um in fast jeder Rede mitzukommen.


5. Nein, ich kann nicht kurz sagen, was "beliebiges Wort in beliebiger Sprache" auf Deutsch/Englisch/Französisch heißt.
Kontext ist eine wunderbare Sache.
Nur er kann mir verraten, ob ich eine Birne essen oder in die Lampe drehen soll oder ob ich meinen blauen Freund aus der nächsten Bar abholen oder ihn in die Dusche stellen soll.
Deshalb ist es eine der unbeliebtesten Bitten, die kein Übersetzer/Dolmetscher je wieder hören mag, ein einsames Wort in irgendwelche Sprachen zu übersetzen.

6. Es gibt auch noch andere Arbeitgeber als die EU.
Ja, die EU ist wohl der größte und bekannteste Arbeitgeber für Dolmetscher, allerdings ist sie lange nicht der einzige: da wären noch die ganzen Bundesministerien, das Auswärtige Amt oder viele große Unternehmen. Wenn man groß träumen möchte gibt es da noch die Vereinten Nationen oder das Fernsehen. 

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Überblick über mein Studienfach geben.
Wer ganz wild darauf ist, das alles live und in Farbe zu erleben ist herzlich eingeladen, morgen um 16.15 Uhr zur ersten Montagskonferenz des Instituts für Übersetzen und Dolmetschen in die Plöck 57a nach Heidelberg zu kommen.
Hier werden die Dolmetschstudenten des 2. Semesters (= meine Kommilitonen und ich) einen Vortrag zum Thema "Armut in Deutschland - die Arbeit der Tafel e.V." verdolmetschen und zeigen, was in uns steckt.
eure Laura

Sonntag, 10. April 2016

Mein Liebster Award

Hallo meine Lieben,

ich wurde von der lieben Maureen (schaut euch unbedingt ihren wunderbaren Blog an!) nominiert und beantworte daher sehr gerne die mir von ihr gestellten Fragen:

1. Gibt es ein Essen, von dem du Nachts sogar träumst?
Bisher noch nicht. Meine Träume drehen sich leider nur selten um so profane Dinge wie Essen. Bisher kann ich daher nur Dinge wie Cola trinkende Eisbären, Handybäume oder Schreckensszenarien in der Uni bieten. Da wären ein saftiges Steak oder eine Sahnetorte mal eine nette Abwechslung... 

2. Wenn du dein Leben lang nur noch eine Marke verwenden müsstest - alles andere No-Name - welche Marke wäre es?
Glücklicherweise bin ich nicht unbedingt ein Markenpüppi. Solange ich gut aussehe und mich wohlfühle macht es für mich keinen Unterschied woher meine Sachen kommen. Lediglich bei meinen Converse lege ich Wert auf Echtheit. Denn irgendwie finde ich an Stücken, die offensichtlich anderen nachgemacht wurden, keinen Gefallen. Wenn ich das Design einer Marke tragen möchte, kaufe ich mir die Marke oder lasse es bleiben. 

3. Auf welches Schmuckstück könntest du nicht verzichten?
Das ist einfach. Ich habe mir vor einiger Zeit den Vorsteckring meiner Mama angeeignet und trage ihn seither am Mittelfinger meiner rechten Hand. Es ist ein einfaches Goldband mit einem Diamanten in der Mitte. Mein absolutes Lieblingsstück, besonders da sich meine Schmuckauswahl ansonsten doch auf günstigen Modeschmuck beschränkt.

4. Schokolade oder Gummibärchen?
Das ist schwierig. Fast nicht zu beantworten. Aber wenn ich mich entscheiden müsste und daran denke, dass ich zu meinem Geburtstag eine Schoko-Sahne-Torte gebacken habe und leidenschaftlich gerne Nutella aus dem Glas löffle, gehe ich wohl eher mit Schokolade.

5. In welchem Serienuniversum würdest du gerne leben?
Das ist wieder weniger knifflig. Meine Optionen wären hierbei Sherlock, Doctor Who und Harry Potter. Da ich aber ein riesiger Angsthase bin und eine noch riesigere Pfeife im schnell Laufen, bleibt mir wohl nur das London des Sherlock Holmes. Und seien wir doch mal ehrlich: Leben in London alleine wäre schon genug für mich ;)

6. Was würdest du tun, wenn du einen Tag lang ein Mann wärst?
Witzigerweise habe ich mit dieser Frage noch nie beschäftigt. Wahrscheinlich würde ich die sinnlosesten Dinge tun. Vor dem Spiegel meinen Bart betrachten (sowahr mir denn einer wachsen würde), in einer Kneipe laut grölend Fußball schauen, männlich durch die Gegend laufen und bestimmt noch vielen anderen unnötigen und zeitraubenden Kram :D

7. Was darf nie in deiner Tasche fehlen?
Mein Geldbeutel mit allen möglichen Bahntickets und Ausweisen und Gedöns, ein Stift, Taschentücher (wenn ich sage sie dürfen nie fehlen meine ich dabei allerdings eher ich müsste unbedingt mal daran denken, welche einzustecken), mein Handy und iPod, ein Labello und vielleicht sogar ein Lippenstift mit Taschenspiegel, je nachdem wohin es geht noch was zu Lesen

8. CD oder Stream?
Ich besitze gerne Dinge, daher ist meine erste Wahl immer die CD.

9. Hast du ein Spirit-Animal? Wenn ja, welches?
Vielleicht ein Panda? Die sind süß und rund und tollpatschig und essen den ganzen Tag. Klingt ganz nach mir...
Nein, mal im Ernst: darüber habe ich noch nie nachgedacht.

10. Wenn du ein Instrument deiner Wahl perfekt beherrschen könntest, welches wäre es?
Ich hatte schon immer den Wunsch, Klavierspielen zu lernen. Doch da ich bereits Blockflöten- und Geigenunterricht bekam, haben mir meine Eltern das dritte Instrument verboten. Außerdem gehören Klaviere ja nicht gerade zu den günstigsten aller Instrumente und genug Platz gibt es dafür bei uns zu Hause auch nicht. Aber trotzdem würde ich unsagbar gerne Klavier spielen können.

Jetzt, nach der pflichtbewussten Erledigung meiner Pflicht, sollte ich eigentlich andere Blogger-Girls nominieren... aber zu meiner Schande muss ich gestehen, dass von den drei Blogs, die ich lese, einer ein reiner Reiseblog ist, der zweite vor kurzem wieder gelöscht wurde und der dritte mich überhaupt erst nominiert hat.
Doch sobald ich etwas stärker in die Blogger-Sphäre eingetaucht bin, werde ich sicherlich auch einige Schreibwütige zum Nominieren finden ;)

Bis dahin danke ich nochmals Maureen für die Chance, ein bisschen was von mir zu erzählen und mir Gedanken zu einigen Fragen zu machen, über die ich sonst nie nachgedacht hätte.
eure Laura